Weniger ist manchmal mehr

Das Leben ist eine Achterbahnfahrt. Nicht nur der Gefühle, doch wenn man Freundschaft zu den Gefühlen zählt, dann auch dieser. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt. Es ist ein Geben und ein Nehmen. Der Schritt nach vorn, gefolgt von dem Schritt zurück und dem zur Seite. Es ist einfach das pure Chaos, das sich nciht in die Bahnen lenken lässt, die man einschlagen wollte. Auch wenn vieles manchmal wie geplant verläuft, so ist doch vieles, was planlos erfolgt.

Macht es dann noch einen Sinn, einen Plan zu haben? Zumindest sollte man die grobe Richtung kennen, in die man gehen will. Auch wenn sich diese Richtung meist mit zunehmenden Alter ändert, schlagartig in die entgegengesetzte sogar – zumindest gibt es aber einen Anfang, mit dem man etwas anfangen kann. Die ersten Schritte, die gesetzt werden um überhaupt in Fahrt zu kommen. Viele scheitern sogar schon daran. Haben nicht den Mut, wenigstens die Richtung zu bestimmen. Da ist das Scheitern schon vorprogrammiert, jener wird niemals in Fahrt kommen, niemals ein selbst gestecktes Ziel erreichen.

Doch viele nehmen sich schon am Anfang zuviel vor. Klar, wer möchte denn nicht viel Geld verdienen, wer möchte nicht bis an sein Lebensende sorgenfrei und nicht mit aufgezwungener Sparsamkeit sein Leben bestreiten. Der Plan von der kapitalistischen Gesellschaft ist deshalb schnell und gern aufgenommen: Schule, Abi, Studium, Beruf, Weiterbildung, Beruf, Rente. Das wäre der optimale Weg, wobei der Beruf dann ebenfalls ordentlich bezahlt sein sollte um die Jahre der Ausbildung zu finanzieren.

Rückblick:
Wir schreiben das Jahr 1329. Hier ist der berufliche Werdegang noch einfacher gehalten. Wer familiär vorbelastet ist, bekommt die Richtung schon vom Elternhause vorgegeben. Natürlich unter der Prämisse, die elterlich erreichten Ziele selbst zu erreichen und darüber hinaus. Der Schusterjunge wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Schusterjunge, im Optimalfall. Andererseits wird er zumindest Handwerker. Ganz selten jedoch wird er ein Künstler und noch seltener ein gebildeter Absolvent einer Universität, die es schon in diesen Zeiten gab. Schlimmstenfalls Söldner in einem der vielen kleinen und großen Fürstentümer. Doch oft nicht viel mehr.

Wieviele Träume von einem schönen Leben zerplatzen nach kurzer Zeit, wieviele nach einiger Zeit. Mehr als man zu ahnen vermag. Ein Alptraum, die vielen gut geplanten und dann doch gescheiterten Existenzen zu sehen. Warum also nicht alles Schritt für Schritt, nach reiflicher Überlegung? Zwar mit einem Ziel, doch einem, das nicht in all zu weiter Ferne liegt. Ein erreichbares Ziel als Zwischenstation und wenn dieses fast erreicht wird, sich erst Gedanken zu machen über die weitere Marschrichtung. Doch bei alledem auch eines zu bedenken: Nicht jeder kann ein Vorstand werden, es muss immer Arbeiter geben.

Eines dürfte klar sein. Die Manager unterschätzen die Wichtigkeit ihrer Arbeitsbienen, wenn sie sie zu einer Zahl auf dem Papier degradieren. Die Arbeiter unterschätzen oft die Wichtigkeit der Chefs, die dem Betrieb die Organisation geben, den Zusammenhalt. Doch zu oft überschätzen sie sich selbst, allesamt. Viel zu oft. Und die unwichtigste Gruppe in dem ganzen Spiel sind die Aktionäre.

Viel zu wenig wird sich über diese Tatsache Gedanken gemacht. Viel zu selten, wenn das selbst gesteckte Ziel erreicht ist, wird sich darüber Gedanken gemacht. Die wichtige Frage, die sich jeder stellen sollte: Bin ich hier richtig? Diese Frage wird ebenfalls – viel zu selten gestellt. Und das ganze Ergebnis dieser Tendenz sind Chefs, die nicht das Zeug dazu haben und Arbeiter, die ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Kein Wunder also, wenn die Wirtschaft so aussieht, wie sie aussieht.

Vielleicht wäre ein Schritt zurück gelegentlich doch sinnvoll, um den Weg einmal zu überblicken. Auch wenn das Ziel dann in weitere Ferne rückt, so überblickt man doch die Irrwege, die das Leben so bietet, in reichlicher Manier. Vielleicht sollte das Ziel doch nicht so hoch gesteckt sein und damit erreichbarer. Oder mehrere Ziele. Kleine. Umso größer ist der positive Impuls, wenn eines erreicht wurde. Genug Steine schiebt das Leben sowieso davor.

 
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2 Responses to Weniger ist manchmal mehr

  1. Mein Leben ist eine Achterbahnfahrt – einige stehen drauf und andere müssen kotzen.

    Schöner Post wie immer 😉

    Liebe Grüße
    Justine