Audiatur et altera pars

Es möge auch die andere Seite gehört werden. Hola die Waldfee, da war ja was los in den letzten kommentarisch, nur weil ein paar Gedankengänge nicht verstanden wurden. Die Diskussion zu der letzten größeren Ausschweifung der Gedankengänge könnte ad infinitum, ad absurdum – bis ins unendliche, bis ins sinnlose führen, wenn nicht ein paar kleine Dinge dazu klar gestellt werden würden.

Ich habe ein paar Gedanken geäußert über den Fitneß- und Gesundheitswahn in unserer heutigen Zeit und habe Kommentare erhalten, die mir wieder einmal vor die Augen geführt haben, dass die Leute einfach nicht richtig lesen oder einfach es nicht verstehen wollen.

Zum einen glauben sie immer noch an die Wahrheiten irgendwelcher Ernährungspropheten oder Wissenschaftler, obgleich diese schon längst von anderen Fachidioten wiederlegt wurden. Beispiel Ei. Früher gängig und bis heute hält sich die Auffassung, dass Eier in größeren Mengen gesundheitsschädlich sind und das böse Cholesterin im Blut erhöht wird. Faktisch schon längst widerlegt (1).

Mit dem in einem Kommentar erwähnten Weizenprotein der überzüchteten Sorten der Gegenwart hatte ich mich bereits in einem Extra-Eintrag in meinem Küchen-Blog (2) weitestgehend ausführlich auseinandergesetzt, so dass ich hier nicht weiter darauf eingehe (2). Tatsächlich, und dieser Umstand sollte dabei mal genauso ins Auge gefasst werden als Contra für unsere Soja- und Tofufanatiker: Was glaubt ihr, welche Sojapflanze heutzutage noch „rein“ ist, ohne Überzüchtung oder Genmanipulation? Glaubt ihr, nur weil den ganzen Tag Sojaproteine in den Körper geschaufelt werden, dass das auf Dqauer gesünder ist als das ach so verteufelte Weizenbrot? Ich wage mal zu behaupten, dass es nicht eine einzige natürlich vorkommende Sojapflanze auf diesem Planeten gibt, zumindest durch Kreuzkontamination sind die natürlichen Pflanzen ebenfalls „verdorben“.

Zum anderen zum Thema Fertigfutter von Billigläden. Ihr glaubt also tatsächlich, dass die teureren Läden, wenn ihr mal einen Herkunftsnachweis verlangt, das Zeug tatsächlich umweltverträglicher oder fairtrade produzieren? Ich persönlich würde nur einem vertrauen: dem Bauern nebenan, den ich kenne. Und wenn ich wirklich absolut gesund leben würde, ausschließlich nur bei diesem meine Lebensmittel zu beziehen. Die Möhre aus dem eigenen Garten, ohne Pestizide und nicht überzüchtet, würde ich als gesund ansehen. Wer etwas anderes glaubt, der glaubt auch daran, dass der Zitronenfalter Zitronen faltet. Zudem habe ich mich ebenfalls einmal mit Tiefkühlgemüse, Frischgemüse und Fertiggerichten (3) auseinandergesetzt sowie der Produktion von Margarine, der ach so gesunden Alternative zur Butter. Margarine enthält Zitronensäure und nun googelt euch mal selbst, wie diese hergestellt wird. Dagegen ist der Chemieunterricht ein Witz.

Wiederum wurde durch die Kommentare bestätigt, was ich kurz erwähnt hatte, ich darf zitieren?:

In der heutigen Form kann man dem Fitness-, Ernährungs- und Gesundheitswahn durchaus schon als eine Art Religion einstufen. Was nicht zum allgemeinen Glauben  gehört, ist als abstoßend zu bewerten und zu betrachten,…

Alles in Allem, und das sollte man dabei schon selbst herauslesen, war meine Grundaussage, den ganzen Text zusammengefasst:

Es kommt auf die Ausgewogenheit an. Jemand, der sich ausschließlich von Fastfood, Chips und Cola ernährt – der lebt definitiv nicht gesund, da bin ich voll und ganz bei euch. Aber jemand, der sich ausschließlich von Proteinshakes, Müsli, Vitamin- und Mineralstofftabletten, ausschließlich Obst und Gemüse ernährt, ebenfalls nicht. Wer zuviel Sport treibt tut seinem Körper mehr unheil an, als es nötig wäre. Es ist alles eine Frage der Menge. Und bei Gott und Teufel, wenn mich nach einem stressigen Tag die Tafel Schokolade glücklich macht, warum nicht? Dann immer rein mit der Bombe – sofern es nicht mehr werden. und solange ich mich den restlichen Tag über ausgewogen ernähre. Deswegen jetzt die Schokolade zu verteufeln führt ebenfalls zu einer ad absurdum-Diskussion.

Zur Frage der Fitness: warum muss mein Körper so gestählt sein, dass ich Model XYZ entspreche? Ich scheiß drauf, ganz ehrlich. Ich mache mir dann Sorgen, wenn ich mich im Bett umdrehe und die Massen langsam nachrutschen. Vorher bin ich mit mir zufrieden wie ich bin. Und nur darauf kommt es an. Ich bin fit genug für meine Arbeit, ich bin fit genug, dass ich ohne Ächzen und Jammern den Michel hochkrakseln kann – freiwillig. Und das ohne Sport. Ich bin fit genug für meine Freizeit. Warum zum Henker muss es mehr sein? Ich bin nie ein Sportler gewesen – noch würde ich meine viel zu knappe Lebenszeit dafür opfern, jeden Tag eine Runde um den Block zu drehen im Dauerlauf oder dem nächsten Fitnesstempel für 2 stärkere Muskelfasern Zeit, Energie und Geld zu opfern. Ich brauche es einfach nicht und verdammt nochmal: ICH BIN GLÜCKLICH!

Es ist alles eine Frage der Ausgeglichenheit. Sicher, wenn jemand zum Streßabbau ins Studio muss, gerne. Aber ich finde, der Zwang dahinter und die Übertreibung desgleichen ist ungesünder als ein einfacher Spaziergang durch das Grüne. Davon mal abgesehen: viele der ach so angehimmelten Athleten haben mit fortgeschrittenem Alter mehr Probleme als jene, die nicht durch sportliche Höchstleistungen geglänzt haben. Wie viele Sportler sind in jungen Jahren an Herz- und Kreislaufproblemen gestorben, weil sie es mit dem Sport übertrieben haben?

Nettes Beispiel anbei: sämtliche Frauen mütterlicherseits meiner Familie haben sich weder gesund ernährt – nur ausgewogen – noch haben sie jemals Sport getrieben. Durchschnittsalter: 90! Durchschnitt! Und das nur mit Hilfe von Arbeit, Familie und Kindern. Bei durchschnittlichen 10 Gelagen im Jahr und die Hälfte davon hat geraucht. Alle haben im und nach dem Krieg gehungert, haben danach Hunde, Katzen, Ratten und Pferde gegessen, Wiesenkräuter und Dosenfrass gefuttert und – sind über 90 geworden. Und wer jetzt nach den Männern fragt – die meisten sind im Krieg gestorben, der Rest ist immerhin noch im Durchschnitt 70 geworden.

Ich bleibe bei meiner Kernaussage: Gesunde Ernährung gern und in Maßen. Alles übermäßige wie von den selbsternannten Propheten kann mir gestohlen bleiben. Lieber lebe ich kurz und glücklich als mir Ewigkeiten den Stress anzutun, jedes Lebensmittel zu hinterfragen.

Quellen:
(1) http://www.welt.de/gesundheit/article3472077/Das-Maerchen-vom-boesen-Eier-Cholesterin.html
(2) http://kueche.corpus-et-amina.de/2014/09/04/weizen-fluch-oder-segen-oder-ungerecht-verteufelt/
(3) http://kueche.corpus-et-amina.de/2015/06/04/gefrorenes-vs-frischem-gemuese/

 
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3 Responses to Audiatur et altera pars

  1. Pingback:Der Health-Wahn in der Ernährung | Sapere aude

  2. Dämonenherz says:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich mag jede Art von Fanatismus nicht. Leider ist das Thema Ernährung überhaupt kein Grund zur Freude mehr. Es ist ein Glaubenskriegsschauplatz geworden. Ich habe aufgehört, mit Menschen über ihre Ernährungsgewohnheiten zu sprechen, allerhöchstens mit ganz engen Freunden erlaube ich mir das.

     
    • Dark Lord says:

      Ich hoffe, du hast dir auch die Kommentare vom ursprünglichen Artikel durchgelesen … Es völlig egal, ob da jemand vom „Fach“ kommt oder nicht, die heutige Nahrungsaufnahme ist für mich zu einer Religion verkommen. Und wehe, man sagt was dagegen …