Weißes Gold?

Weißes Gold? Von wegen. Was die Kühe sich da aus ihrem Euter abzapfen lassen (müssen), ist mittlerweile ein Sinnbild davon, wie der Mensch über Lebensmittel denkt, wie die Wirtschaft über kleine Betriebe, was ein Bauernhof nun mal ist, denkt.

Seit wir Menschen in den Städten unsere Nahrungsmittel quasi vor die Nase gesetzt bekommen – und hier rede ich von den westlichen Industrienationen – ist die Wertschätzung dessen komplett verloren gegangen. Klar, das Überleben ist mittlerweile schwieriger geworden und mit dem schmalen Cent zu überleben auch nicht einfach, doch wer alles haben will, sollte sich zwischendurch auch mal den Wert dessen bewusst sein, was da in den Rachen geschaufelt und gekippt wird.

Acker & Weideland

Acker & Weideland

So ein kleiner Urlaub bei Bekannten auf dem Land öffnet da schon einmal die Augen. Zum einen was die kleine Selbstversorgung angeht via Hühner, Beete für Gemüse und anderes Kleingetier, zum anderen ist es auch ein Blick hinter die Kulissen des großen Bauernhofes, als Familienbetrieb geführt. Stall, Misthaufen, Scheune, Acker &Co. – wer dies alles niemals mit eigenen Augen gesehen hat und nicht weiß, welche Arbeit dahinter steckt, der weiß niemals zu schätzen, was er sich in den gierigen Rachen schaufelt. Der Mensch ist ja nun einmal so, dass er niemals die Arbeit eines anderen Menschen zu schätzen weiß, ganz geschweige von der Arbeit, die die Tiere für uns leisten.

Beispiel Milch. Undenkbar, wenn dieser Bestandteil unserer Nahrung eines Tages fehlen würde. Kein Käse, kein Joghurt und keine Kaffeesahne – ja nicht einmal die Schokolade abends vor dem Glotzophon. Und doch wird immer die Ware mit dem günstigsten Preis gekauft. Die Nachfrage bestimmt den Preis? Das war einmal. Wenn es danach gehen würde, dürfte der Milch-Preis weiter über dem Niveau von 23 Cent pro Liter liegen. 23 Cent, dass ist der Kurs, den der von mir besuchte Bauer bekommt. Doch wie ich gesehen habe, welche Arbeit dahinter steckt ….

Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe.
(Astrid Brandl)

Die Kuh seht doch nur auf der Weide und versorgt sich selbst, der Mensch braucht nur noch die Milch zu zapfen. Ganz klar ein Trugschluß und SO kann nur ein Stadtmensch denken, der die Milch im nächsten Supermarkt für schmales Geld – und dann ist sie noch zu teuer – aus den Regalen zupft. Die Kühe stehen auf der Weide, im Sommer ist das soweit ja auch richtig. Doch auch das Land will bezahlt sein, der Bauer und seine Arbeiter, die die Kühe melken, von der Weide holen, die Weide instand halten …

Und im Winter? Da stehen die Kühe im Stall, wollen gefüttert werden, gepflegt und ebenfalls auch tierärztlich versorgt. Maschinen, Geräte – Haus und Hof müssen ebenfalls gewartet werden und schließlich will der Bauer auch von etwas leben. Nein, wie immer ist es die menschliche Devise: Undank ist der Welt Lohn. Ich persönlich hätte kein Problem damit, wenn der Milch-Preis an den Benzin-Preis gekoppelt wäre. Dann wüssten die Menschen auch mal das zu schätzen, was sich andere für sie antun.

Und nur um einmal noch weiter zu referieren, was zwischen dem bäuerlichen Verkaufspreis und dem Supermarktpreis noch mit der Milch passiert: Transport, Verarbeitung, Verpackung, wieder Transport, Lagerung und Verkauf – das muss mit der kleinen Spanne dazwischen ebenfalls bezahlt werden. Wenn man sich dieses einmal im Kopf durchrechnet, dann ist das schon ein absolutes Minusgeschäft. Wenn man dann noch den bäuerlichen Hof gesehen hat und die Arbeit, die dort noch dahinter steckt, dann sieht man das „weiße Gold“ mit ganz anderen Augen. Für meinen Teil sage ich: Hut ab vor den Bauern.

 
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4 Responses to Weißes Gold?

  1. Steffen Rupp says:

    Die sollten mal die Bierpreise runterschrauben….

     
  2. Es ist einfach nur traurig das sowohl Kühe als auch Bauern unter diesem künstlichen niedrighalten der Preise leiden 🙁

    Liebst
    Justine

     
  3. Pingback:Home sweet Home | Tagebuch online

  4. Adelhaid says:

    Gut geschrieben, aber … das gefährliche ‚aber‘: Freilich kann der Preis hochgeschraubt werden, allerdings (jetzt kein ‚aber‘ mehr) sollte nur ein Weg darauf hinauslaufen, dass sich Dinge ändern: die Nachfrage. ‚Aber‘ vielleicht geht das am Thema vorbei.