Bellende Retter

Abenteuerurlaub ist doch für die Katz, nein, wenn ich Urlaub mache, dann bin ich auf den Hund gekommen. Doch es gibt Tage, da kommen die Hunde zu mir. Einen Abend war ich unterwegs, mit der Rettungshundestaffel Ems-Jade e.V. , speziell bei bei den Hunden und ihren menschlichen Begleitern, die die von meiner Sicht aus zweifelhafte Ehre haben, vermisste Menschen aufzuspüren. Benannt nach diesen unseligen Anglizismen, die unsere Sprache so sehr verunschönern: Mantrailing.

Bei den Rettungshunden gibt es unterschiedliche Sparten: Flächensuche, Trümmersuche, Lawinensuche, Wasserortung und Mantrailing. Bei der Flächensuche werden Menschen auf offener Fläche gesucht. Wassersuche – das muss nicht groß erwähnt werden? Und Mantrailing ist dann der Fall, wenn speziell Menschen wie alte senile Opas, wie „der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, zu suchen und vor allem – zu finden. Jeder kennt es aus dem Fernsehen, wenn Spürhunde vermisste Menschen aufsuchen. Und dabei ist es auch wichtig, dass diese Hunde trainiert werden. Bei einem solchen Training dufte ich teilnehmen.Nein, vermisst hat mich niemand. Wäre ja noch schöner. Aber ich habe mich dennoch angeboten als „freiwilliges fremdes Opfer“ bei einem der Trainingsabende zu fungieren. Eine Geruchsprobe von mir, schon wurde ich entführt, um später von einer stolzen Layana wieder gefunden zu werden. Und um dann dazu verdonnert zu werden, die Belohnung zu vergeben in Form von Leckerdingens und Spielerei. Wobei, wenn es nach mir persönlich gegangen wäre, ich die Strecke wesentlich komplizierter gestaltet hätte. So mit Wassergräben, Sträuchern und ähnlichen mehr. Wobei ich noch erwähnen sollte, dass der Hund die Geruchsmoleküle eines Menschen bis zu zwei Wochen nach passieren eines Terrains wahrnehmen kann. Wie gut, dass das nur die Hunde können. Wenn ich mir vorstellen müsste, nicht nur meinen Chef am Geruch zu erkennen, sondern das dieser noch nach zwei Wochen Abwesenheit im Büro hängt ….

SamsonRettungshunde kennen viele nach dem Fernsehvorbild des mit einem Fässchen ausgestatteten Bernhardiners, der sich durch eine Lawinenfläche schnuppert, um das verschüttete Opfer zu finden. Bernhardiner können jedoch nicht weit laufen, andere Hunde dagegen schon. Aber ob ich nun darüber weitere schwadroniere oder nicht, wenn es jemand nicht interessiert, der lässt sich auch so nicht von mir belehren. Doch warum sollte ich belehren? Das können die Mitglieder der Vereine besser – nachzulesen auf der Staffelseite: http://www.rettungshundestaffel-ems-jade.com/.

Für mich ein angenehmer Spaziergang, für die Hunde und deren Dosenöffner Ausdauertraining pur. Eine Arbeit, die im Gegensatz zu der der freiwilligen Feuerwehr vom Staat nicht entsprechend honoriert wird. Schade aber auch. Freiwillige Arbeit auf Ehrenamtbasis ist nicht so anerkannt, wie sein sollte. Für die Hunde ist es die Freude an der Arbeit, für die Dosenöffner nur ein Kostenfaktor und der nicht honorierte Dienst an der Menschheit. Es wäre sinnvoller, mehr in solche Ehrenämter zu investieren – für den Staat – als in Armeen und Waffen. Für mich ein Grund, als Pate für einen Rettungshund zu fungieren. Ich, der ich die Menschen meide und dann so etwas? Ein Widerspruch an sich, der sich jedoch grundsätzlich mit meinen Grundsätzen deckt. Mahlzeit’n!

 
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One Response to Bellende Retter

  1. Schakal says:

    Vielen Dank, sehr interessant zu lesen. Ich stimm dir absolut zu, dass ehrenamtliche Arbeit viel zu wenig honoriert wird – ins Besondere auch die mit Tieren. Da hab ich letztens eine schöne Reportage gesehen, in der ein früher schwer misshandelter Hund – auch durch die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer – in eine Familie mit einem autistischen Jungen kam – und beide dann richtig aufblühten.

    Wenn es nicht so umständlich wäre, würde ich hier auch sehr im Tierheim aushelfen – nur kommt man da ohne Auto nicht hin.