Einfach mal: Mut haben

Mut ist das, wenn man sich etwas traut, wovor andere sich in die Hose machen. Auch wenn man gewisse Menschen nicht mag. Ihre Tätigkeit, ihr Gehabe, ihr Wesen und Auftreten in der Öffentlichkeit – mit nur wenigen Sätzen und noch weniger Taten haben sie öfter Größe bewiesen als in all den anderen Tagen ihres Lebens.

Der sogenannte Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki oder wie die Knollennase heißen mag, war so ein Fall. Zu gern erinnere mich an den Aufschrei, der durch die Medien hallte, als jener welcher einen ihn bestimmten Preis vor versammelter Prominenz ablehnte. War das ein inneres Freudenfest für mich! Durch seine Begründung und alleine diese Tatsache an sich, sich so etwas zu trauen, hatte er sich damals meinen tiefsten Respekt erworben und ebenso schnell wieder verspielt, als er ob des Echos eingeknickt ist. Wahre Größe wäre gewesen, bei der Entscheidung zu bleiben. Zu niedlich, wie ihm die Prominenz, die Speichellecker der Nation zu Füssen lagen. Ein Schauspiel, das eigentlich hatte aufrütteln sollen.

still-life-690705_1280Damals tat ich es als Gehabe eines alten Sackes ab, der noch einmal im Rampenlicht stehen wollte. Ein Ehrenpreis bekommt ja heute schon jeder Hinz und Kunz, das ist keine Schlagzeile mehr, maximal noch eine marginale Randnotiz wert. Unter ferner liefen. Aber ein Satz vor laufender Kamera wie „Ich nehme diesen Preis nicht an“ mit einer recht eindrucksvollen Rede dazu, das hat schon Gesicht.

Jahre später. Diese Geschichte ist schon längst Vergangenheit, vergessen und in den Archiven begraben, da gibt es erneut einen solchen Eklat. Gut, diesmal in Amerika, diesmal mehr über die etwas leiseren Social-media-kanäle, diesmal nicht vor laufenden Kameras, das ein wachrütteln der lahmen Zuschauer zur Folge gehabt hätte, aber immerhin war es einen Aufmacher in den Internet-News-Portalen wert:

Justin Bieber, dieser verweichlichte Emporkömmling, dieser Poser und Zeitgeistinterpret ohne Tiefe, der nur dank des oberflächlichen guten Aussehens und in seiner Rolle als Girlie-Schwarm es zu solchem Erfolg bringen konnte, hat eine ähnliche Erklärung vom Stapel gelassen. Normal wäre alleine schon die Erwähnung des Namens ein weiterblättern wert gewesen, diese News vollends zu ignorieren, aber hey, manchmal gibt es auch Sternstunden in den Nachrichten. Ein erneutes inneres Freudenfest! Das diese Weichbirne mit seinen zarten 22 Jahren jemals zu einer solchen Erkenntnis gelangt ist, hätte ich mir im Leben nicht träumen lassen:

„Ich weiß ja nicht, was diese Verleihungen angeht… (…) Ich fühle mich weder gut, wenn ich dabei bin, noch anschließend. Ich versuche, es als Feier zu sehen, aber ich komme nicht umhin zu denken, das die Menschen meine Performance bewerten und beurteilen. Viele Menschen im Publikum scheinen sich nur darum zu sorgen, möglichst oft von der Kamera gezeigt zu werden und möglichst viele Beziehungen aufzubauen. Wenn ich eine normale Show mache denke ich, sind die Leute wegen eines richtigen Grundes da und wollen einfach nur eine gute Zeit haben. Aber diese Preisverleihungen erscheinen mir so oberflächlich.“

“Wenn ich es richtig verstehe geht es darum, die Leistungen von Menschen mit Trophäen zu würdigen. Aber geht es wirklich darum? Wenn ich ins Publikum blicke sehe ich eine ganze Menge von Gesichtern mit falschem Lächeln, damit sie glücklich aussehen, wenn die Kamera auf sie zeigt. Es gibt da natürlich auch Menschen, die wirklich stolz aufeinander sind, aber ich spreche hier über die Mehrheit. (…) Es fehlt da eine Authentizität, nach der ich mich sehr sehne. Und ich frage mich, ob es anderen auch so geht. Sorry, nicht sorry wegen meiner Grammatik, ist nicht meine starke Seite.“

(http://www.bunte.de/stars/star-news/musik/justin-bieber-hebt-er-jetzt-endgueltig-ab-310941.html – und nein, von da habe ich nicht die News her, soll aber zeigen, das nicht alles erstunken und erlogen ist)

Chapeau! Römms, hat gesessen. Hut ab, Milchbubi! Du hast dir damit, falls alles so stimmen sollte, eine große Portion Respekt verdient. Mehr als manche andere Grösse, die manch roten Teppich beschmutzt hat! Bleib aber bitteschön dabei und mach keinen Rückzieher wie damals der Literaturpapst, dann verdoppelt sich der Respekt nochmals. Und dann bist du viel mehr wert als andere Schauspieler wie dieser Schweiger, die nur große Sprüche in die Kameras sülzen – aber sonst nichts in ihrem Leben auf die Reihe bringen. Klar, das die Presse mosert. Wie heißt es so schön? Getroffene Hunde bellen. Wuff. WUFF! Geht’s noch lauter? Klar doch … Trotz all dem Lob gerade für das Bürschchen – seine Musik ist immer noch scheiße. Oder das Gejaule, was der für Musik hält.

 
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5 Responses to Einfach mal: Mut haben

  1. Bei dir mal etwas von Justin Bieber zu lesen ist schon was neues … Aber ich muss dir zustimmen – das hätte ich von dem Jungchen gar nicht erwartet 😀

    Liebst
    Justine

     
  2. Aufgemerkt says:

    Tja, so kann man sich eben täuschen.

     
  3. Raphael says:

    Man sieht das auch ein Justin Bieber etwas in der „Birne“ hat. Ich selber kenne seine Musik nicht und verfolge nur die bisherigen Negativschlagzeilen der Presse. Für mich ist es eine weitere Person die sich einen Namen macht, nach Jahren verschwindet und dann wieder so ein Nachfolger kommt.

    Aber die Rede kam wohl mit viel Verstand.

     
  4. Adelhaid says:

    Ich verschwöre jetzt mal: Dark Lord mag den Herrn Reich-Ranicki nicht, weil er den gleichen Vornamen trägt und den Herrn Biber nicht weil er als Vornamen die männliche Form von … trägt 🙂 😉

    Den Text muss jemand dem Justin geschrieben haben. Vielleicht hat aber auch jemand meinen Text für mich geschrieben. Ich könnte damit leben. ^^